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Beide Aufnahmen Parlophone R.1614 (Ki.6089-2/6090-2), Paris, 21.06.1933

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Billy Kanui mit Hawaii-Gitarre

Kanui und Lula

Der Hawaiianer William Kanui (gen. Billy, 29.12.1890–6.9.1960) lebte seit 1909 in den USA. 1913 unternahm er mit anderen Musikern eine Reise nach Paris, wo er von November 1913 bis April 1914 im Luna-Park auftrat. Mit dem Gitarristen seiner Gruppe, Joseph (Joe) Puni, und Lucie Schmidt, einer jungen Französin, die sich Leilani nannte, ging er anschließend nach London. Während des Ersten Weltkriegs traten sie in England als The Hawaiians and Miss Leilani auf.

1920 kamen Billy und Lucie als Kanui & Lula erneut nach Frankreich, um zwischen Februar und Oktober im Olympia in Paris aufzutreten. Billy sang und spielte die Hawaii-Gitarre, Lula spielte Ukulele und tanzte Hula. Sie feierten Erfolge. Der hawaiianische Gitarrist Joseph K. Nahale schloß sich ihnen an. 1922 nahmen sie Schallplatten in Berlin auf. Es folgten Auftritte in Deutschland, Österreich, Belgien, Schweiz, Großbritannien und anderen Ländern Europas, darunter immer wieder Paris. Dort nahm Billy für Odéon 1933 vier Titel auf zwei Schallplatten auf, darunter Oua Oua, das ein Welterfolg wird. Weitere Auftritte, u.a. mit Josephine Baker, folgten.

Eine zeitgenössische Zeitschrift schrieb begeistert, wenn auch in völliger Unkenntnis (in den Aufnahmen kommt die Ukulele nicht vor, und Lula ist ebenfalls nicht beteiligt):

Sie sprechen wahrscheinlich kein Hawaiianisch? Ich auch nicht, aber diese entschuldbare Unwissenheit wird Sie nicht davon abhalten, wie ich es selbst eine der malerischsten Aufzeichnungen von Folklore zu genießen, die seit langer Zeit erfolgreich ist. Kanui spielt auf seiner Ukulele zwei populäre Stücke, die Lula mit außergewöhnlicher Kraft und Wahrheit interpretiert. Legen Sie diese beiden Lieder, Oua-Oua und Tomi-Tomi, die wir Odeon schulden, sorgfältig in das gute Regal Ihres Plattenschranks, jenes, wohin man mechanisch wie nach einem neu gelesenem Buch oder einer alten Pfeife greift.1)
Kanui hatte die Ukulele in Frankreich eingeführt und trat Ende 1913 im Luna Park an der Porte Maillot auf. Und Lula, seine Bühnenpartnerin aus dem folgenden Jahr, war mit Sicherheit die erste französische Ukulelenspielerin.2)

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg löste sich die Gruppe auf; ab 1938 gab es keine Auftritte mehr. Kanui und Lula blieben jedoch bis an ihr Lebensende in Frankreich.


1) „Vous ne parlez sans doute pas hawaïen? Moi non plus, mais cette ignorance excusable ne vous empêchera pas de savourer comme je l'ai fait moi-même un des plus pittoresques disques de folklore qu'on ait réussis depuis longtemps. Sur son ukulele, Kanùi rythme deux airs populaires que Lula interprète avec une vigueur, une vérité exceptionnelles. Mettez soigneusement ces deux chansons, Oua-Oua et Tomi-Tomi, que nous devons à Odéon, sur le bon rayon de votre discothèque, celui qu'on atteint machinalement comme un bouquin relu ou une vieille pipe.“L'Oeil de Paris pénètre partout 7.1.1933
2) „Kanui avait introduit l’ukulélé en France, se produisant au Luna Park de la porte Maillot fin 1913. Et Lula, sa partenaire sur scène à partir de l’année suivante fut certainement la première Française joueuse d’ukulélé.“ Le Buckingham Club