vok:struktur

Struktur bezeichnet die Gesamtanlage eines Musikstückes. Unterschieden werden:

Einstimmigkeit

Einstimmigkeit

Ein einstimmiges (monophones) Musikstück besteht aus einer einzigen melodischen Linie ohne begleitende Harmonie (einfache rhythmische Begleitung ist möglich). Westliche Musik vor dem 9. Jh. war hauptsächlich monophon.

Mehrstimmigkeit

Mehrstimmigkeit

Polyphonie

Polyphone Musik besteht aus mehreren, voneinander unabhängigen Melodien, die meist harmonieren, aber unterschiedliche Rhythmen besitzen können. Die westliche Polyphonie ist eng mit der Entwicklung des Kontrapunkts seit dem 14. Jh. verbunden. Kanons und Fugen sind stets polyphon.

Homophonie

Ein Musikstück ist homophon, wenn eine dominante Melodie mit einer unselbständigen harmonischen Begleitung ergänzt wird. Homophonie ist heute die gebräuchlichste Form von Mehrstimmigkeit in westlicher Musik. Sie entwickelte sich seit dem 17. Jh., als der Akkord das Intervall als Bezugsgröße der Harmonik ablöste. Die meisten mehrstimmigen Formen von Chormusik und Liedern (aber nicht Kanons!), darunter auch die moderne Popmusik, sind homophon.

Heterophonie

Als heterophon wird eine Mehrstimmigkeit beschrieben, bei der melodische Varianten wenig koordiniert nebeneinander stehen:

Es gehen nicht verschiedene Themata gleichzeitig neben einander her, vielmehr machen alle Instrumente eine in den Grundzügen identische Tonbewegung, aber sie gestatten sich dabei bedeutende individuelle Freiheiten, das eine nimmt seinen Weg in einfachen Vierteln, das andere umspielt sie mit allerlei Verzierungen, das dritte löst sie ganz in Sechzehntelbewegungen, Triolen u. dgl. auf, und dabei stehen die Sechzehntelgänge der einzelnen Instrumente nicht in genauerer Übereinstimmung. In gewissen Hauptmotiven treffen dann alle wieder rein unison zusammen.1)

Heterophonie (früher auch als „unreines Unisono“ bezeichnet) tritt vor allem in traditioneller asiatischer Musik auf; v.a., wenn zwei unterschiedliche Instrumente zusammenspielen, wie in indonesischer Gamelan-Musik.

Literatur

Literatur

  • Federhofer, Hellmut: „Periodisierung der abendländischen Mehrstimmigkeit“. In: Studia Musicologica, 48:3–4 (Sep. 2007), S. 247-256
  • Fellerer, Karl Gustav: Klang und Struktur in der abendländischen Musik. Heidelberg: Springer-Verlag 2013
  • Schmidt-Jones, Catherine: Texture
  • Stumpf, Carl: „Tonsystem und Musik der Siamesen“. In: Beiträge zur Akustik und Musikwissenschaft. Leipzig: J. A. Barth 1898, S. 69–138

Videos


Alisha Nypaver, Ephraim Schäfli: Musical Texture


Gamelan Gong Wisnuwara: Tabaki


Mauricio Kagel: Heterophonie (1961)


1) Stumpf 1898:125.