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Madeira ist eine portugiesische Insel im Atlantischen Ozean nordwestlich von Afrika. Von dort stammten die portugiesischen Migranten, die 1879 auf der Suche nach Arbeit in den Zuckerplantagen Hawaiis ihre einheimischen Musikinstrumente mitbrachten.

Schon 1821 hieß es in einer Publikation über Madeira:

Die Bauern dieser Insel spielen fast ausnahmslos auf der Gitarre oder einem Saiteninstrument ähnlicher Bauart.1)

Im selben Buch wird auch eine Gruppe von „Landmusikern“ abgebildet, von denen einer eine Geige und zwei kleine Gitarren halten:

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Diese Gitarren (Braguinhas und Rajãos) sind direkte Vorläufer der Ukulele. Einer der Einwanderer aus Madeira war der in frühen Zeiten erfolgreichste Produzent von Ukulelen, Manuel Nunes, der auch für sich in Anspruch nahm, die Ukulele erfunden zu haben.

Zu dieser Stunde kann man die Bauern in kleinen Gruppen von vier oder fünf Personen in ihre Häuser zurückkehren sehen, wobei jede Gruppe von einem Musiker begleitet wird, der auf dem Nationalinstrument, den Macheten oder der Gitarre spielt und eine klagende Weise singt, in die gelegentlich alle einfallen. Kaum ist eine Gruppe vorübergezogen, kann man die süße, sanfte Intonation eines anderen Liedes sich nähern hören. Manchmal betreten zwei oder sogar mehr Gruppen gleichzeitig die Straße, wenn sie sofort im Wechsel singen, und das mit so perfektem Geschmack und Harmonie, daß das Ohr des Zuhörers angestrengt weiterhören will, wenn die Töne in der Ferne allmählich nachlassen. Diese Lieder sind normalerweise eigene Kompositionen und sind für diesen Anlass improvisiert.2)
Die Leute singen sehr gerne in hoher einstimmiger Tonhöhe und spielen auf der Gitarre und den einheimischen Regàs und Macheten. Wenn sie an einem ruhigen Abend im Konzert spielen, ist das einigermaßen effektiv, und einige von ihnen erzielen eine wunderbare Ausführung und hervorragende Leistung; aber ihre Instrumente sind von geringerer Qualität.3)

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Ukulele in Madeira


Die Ukulele auf Madeira

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Schulkinder in Funchal (Madeira) mit Braguinhas 2017

Sozialer Status auf Hawaii

Der soziale Status der ab 1878 in hohen Zahlen als Vertragsarbeiter nach Hawaii eingewanderten Portugiesen war niedrig. Lange Zeit gehörten sie zu den bildungsfernen Schichten. Sie litten unter zahlreichen Vorurteilen, z.B. dem Vorwurf der Kriminalität, und wurden offiziell bis 1940 nicht als „Kaukasier“ (Weiße) gewertet. Dies führte bei ihnen zu einem kollektiven Minderwertigkeitskomplex.4) Erst damals stiegen viele von ihnen in die Mittelschicht auf.5). Die Erfolgsgeschichte von Nunes wird deshalb als positive Ausnahme zitiert.6)

Literatur

  • Estep, Gerald Allen: Social Status of the Portuguese in Hawaii as Indicated by Factors of Immigration. M.A. Thesis, Department of Sociology, University of South California 1941

1) Combe, William: A History of Madeira. London: R. Ackermann 1821, 77
2) J.S. Le Fanu (ed.): „Tinted Sketches in Madeira“. In: Dublin University Magazine 66:392 (Dublin, 1865:08): S. 180–193, hier S. 180–181
3) Henry Wharton Neville: „A Winter in Madeira“. In The St. James's Magazine 4:37 (London, 1880:03), S. 203-222; hier S. 218
4) Estep 1941, S. 19
5) Estep 1941, S. 105–110
6) Estep 1941, S. 68